Sex und Luxus


Ein schlechter Start in einen guten Tag

Jonathan war wieder einmal am Ende. Sein Elektrotechnik-Studium lief nicht so ab, wie er es sich erhofft hatte, und das lag bestimmt nicht nur an dem Stoff, sondern vor allem an seiner Faulheit. Eigentlich hatte das Leben es bisher gut mit ihm gemeint, er hatte das Abitur mit einer guten Note bestanden und durfte nun studieren, er war gesund und sah durchschnittlich gut aus, legte Wert auf ein gepflegtes Äußeres, soweit dies sein Geldbeutel verkraftete. Und das belief sich meistens auf leichte Jacketts von C&A, denn die waren preiswert, auch wenn man ihnen den Preis ansah. Ebenso benutzte er handelsübliche Rasierseifen und After Shaves, denn die kosteten nicht die Unsumme von Geld, die exklusive Artikel forderten. Aber heute schien für Jonathan der Tag nicht so zu beginnen wie die meisten anderen Tage.

Sonst kam er immer einigermaßen aus dem Bett, heute dagegen räkelte er sich noch eine Viertelstunde unnütz in den Federn, bevor er den ersten Fuß auf die Erde stellte. Er stützte seinen Kopf in die Hände und fuhr sich durch die verstrubbelten Haare. Schließlich entschied er sich, nur eine Dusche zu nehmen und die Rasur dafür ausfallen zu lassen. Normalerweise hätte er im Tabac-Topf die Rasierseife angerührt, um sich dann genüsslich den weißen, dicken Schaum auf die kleinen Stoppeln zu streichen.

Anschließend wäre es die Aufgabe der Klassik-Klinge gewesen, säuberlich seinen Bartansatz bis auf einen leichten, dunklen Bartschatten zu reduzieren, der immer so vortrefflich auf die Damen der Gesellschaft wirkte. So aber erblickte er sein Spiegelbild nur deswegen, weil er die morgendliche Säuberung seiner Zähne nicht auch noch fallen lassen wollte, denn auf einen künftigen Besuch beim Zahnarzt legte er wirklich keinen Wert. Im Kleiderschrank fand er dann außer dem weißen Pilotenhemd auch nichts Vernünftiges mehr vor, so dass er heute zwangsläufig als Flieger auf die Straße gehen musste.

Schon so oft hatten ihn Leute angesprochen, ob er in dem Geschäft, wo er sich gerade aufhielt, verkaufen würde, und immer musste Jonathan lächelnd verneinen: er wäre hier nur Kunde. Immerhin war das Hemd sauber gebügelt, denn das hatte er direkt nach dem letzten Waschen vorgenommen. Jonathan liebte es nicht, Hemden ungebügelt in den Schrank zu legen, das ergab immer dieses noch-zu-erledigen Gefühl, welches ihm gar nicht behagte. Nach einem kurzen Frühstück machte er sich an die Vorbereitung für das Praktikum, das er heute absolvieren sollte.

Es war nun mal Pflicht für einen ordentlichen Studenten, die Arbeiten vorzubereiten, um dann mit dem genügenden Wissen an die praktische Arbeit gehen zu können. Nach drei Stunden Arbeit legte Jonathan endlich den Stift aus der Hand. Die Vorbereitungszeit hatte ihn schon wieder drei Stunden seines wertvollen Lebens gekostet, und jetzt würde er noch drei Stunden an den Geräten hängen, bloß damit er später einmal den Titel Dipl.Ing. tragen durfte. Die Fahrt mit dem Bus und der U-Bahn war nicht weiter ereignisreich, so dass die Zeit recht langsam an ihm vorbeil ief. An der Haltestelle Odeonsplatz stieg er dann aus, um seinen üblichen Weg zur TU zu Fuß fortzusetzen.

Eigentlich könnte er noch bis zum Sendlinger Tor und dann mit der U1 zum Königsplatz fahren, Jonathan zog aber den viertelstündigen Fußweg vor, damit er wenigstens etwas frische Luft bekam. Die praktische Durchführung der Versuche zog sich wieder einmal endlos in die Länge, und der kleine Raum mit den vielen Leuten machte dies auch nicht gerade erträglicher. Aufgrund des Luftsauerstoffmangels war auch in der letzten halben Stunde sämtliche Konzentration verflogen, so dass der anschließende Test nicht allzu gut verlief. Aber wenigstens war jetzt der anstrengende Teil des Tages vorbei, und Jonathan atmete auf.

Als er durch die Ausgangstür schritt, schienen die letzten Strahlen der Abendsonne grell in sein Gesicht, so dass er seine Augen zusammen kniff. Es war die Zeit, wo sich der Sommer dem Ende neigt, die Außentemperatur aber noch so hoch ist, dass man gut ohne Mantel durch die Straßen gehen konnte. So hatte auch Jonathan nur das weiße Hemd an, und in seiner Hand trug er den abgewetzten Aktenkoffer, den er immer für die Uni benutzte. Heute war nicht der Tag, schon so früh nach Hause zu gehen, und so setzte sich Jonathan noch an einem Straßencafe an einen kleinen Tisch, um etwas zu trinken.

Er hatte noch keine zehn Minuten gesessen, als ein wohl 22-jähriges Mädchen sich nach einem freien Platz suchend umschaute und dann Jonathan fragt, ob der Platz an seinem Tisch noch frei wäre. Er hatte das Mädchen schon vorher gemustert, und ihr Äußeres gefiel ihm, so dass er ihr den Platz anbot. Das Mädchen war schlank, hatte jedoch gute Proportionen, soweit ihre Kleidung diese Beurteilung zuließ. Sie trug eine ausgewaschene Jeans, die sich eng an ihre Haut schmiegte, und eine Jeansjacke.

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