Sex und Luxus

Sie nahm von der Bettkonsole einen Schlüssel, und ging zur Tür. „Kommst Du ?“ fragte sie, und Jonathan folgte ihr zur nächsten Tür. Als Jessica diese öffnete, fiel ihm wieder einmal das Kinn um ein paar Zentimeter nach unten. Bisher hatte er noch nicht herausgefunden, wo er eigentlich war. Jetzt schaute er auf einen halbrunden, weißen Kieskreis, hinter dem sich eine Rasenfläche erstreckte. Das Gelände war wohl um die 1500 Quadratmeter groß und mit großen Bäumen und Büschen umgeben. Mitten auf dem Halbkreis parkte ein schwarzblaues Jaguar-Kabriolett mit weißem Dach.

Jessica schritt auf den Wagen zu und winkte Jonathan mit den Schlüsseln zu. „Möchtest Du fahren ?“ fragte sie lächelnd, und er brachte es zustande, zu nicken. Und plötzlich erlebte er einen sagenhaften Wandel. Es war ihm, als hätte er die gleiche Situation schon einmal vorher durchlebt, vielleicht in einem Traum. Er lief mit leichten Schritten zur Beifahrertür, nahm die Schlüssel entgegen und öffnete den Wagenverschlag. Das Mädchen lächelte ihn an und stieg ein. Jonathan schloss die Tür und stieg an der Fahrerseite ein.

 

Das wurde ja immer besser…

Als er den Schlüssel ins Schloss steckte, drückte Jessica auf einen Knopf, und mit einem Summen öffnete sich das Verdeck. Jonathan öffnete mit einer Hand sein Jackett, und betätigte die Zündung. Der Wagen sprang sofort an, und mit einem leichten Tuckern gab er seine versteckten Pferdestärken zu erkennen. Jonathan drückte die Kupplung durch und gab etwas Gas. Der Motor fing an lauter zu werden, ging jedoch nicht in das für Kleinwagen typische Kreischen über, sondern blieb in seinem sonoren Ton.

Als Jan die Kupplung kommen ließ, setzte sich der Wagen auf dem knirschenden Kies in Bewegung. Das Mädchen dirigierte ihn zu einem weißen, gusseisernen Tor, das sich automatisch öffnete. Jonathan bog auf die Straße ein, und fuhr auf die Anweisung des Mädchens durch die Stadt. Es ging aus dem Stadtteil Bogenhausen heraus, und schon bald erreichten sie den Münchner Flughafen. Als sie vor die Eingangshalle vorfuhren, eilte ein älterer Herr heran und öffnete den Wagenverschlag. Er reichte Jessica seine weiß behandschuhte Hand, und sie stieg aus dem Wagen.

„Ich hoffe, Fräulein Duvallier haben angenehme Fahrt gehabt?“ fragte der Herr, und nun wusste Jonathan, wer der Designer seiner Kleidung war. Das Etikett trug den Namen DUVALLIER Ob Jessicas Vater der Modeschöpfer war ? Jonathan stieg ebenfalls aus dem Wagen aus, und Jessica stellte ihn dem Herren vor. „Francois, dies ist mein Freund Jonathan. Er wird mich in Zukunft auf meinen Modeausstellungen begleiten.“ Francois dienerte vor Jonathan, und das war ihm peinlich. Schließlich hatte er doch nichts Hervorragendes geleistet, und der Herr war älter als er! „Gibst Du Francois den Schlüssel ?“ lächelte sie ihn an, und Jonathan drückte dem Herrn den Schlüssel in die Hand. Was weiterhin mit dem Jaguar geschah, bekam Jonathan nicht mit, denn Jessica ging schon voraus in die Eingangshalle. Vor der Tür blieb sie stehen, und drehte sich zu ihm um.

„Bleib immer neben mir, und wundere Dich nicht, was jetzt geschieht. Ich erkläre es Dir später.“ sagte sie, und er öffnete die Eingangstüre. Innen wurden sie von einigen edel gekleideten Herren mit dunklen Sonnenbrillen empfangen, Jonathan vermutete, dass auch sie die Mode von DUVALLIER trugen. Aus dem Hintergrund kam ein Trupp von Reportern angelaufen, die aber sofort von den Herren abgefangen wurden. Ein Sturm von Blitzen und dem typischen Klicken der Photoapparate prasselte auf sie nieder, als sie zügig durch die Halle zu einer kleinen Tür eilten. Ein Herr öffnete die Tür, und Jessica ging zuerst hindurch. Jonathan folgte ihr, und dann schloss sich die Tür hinter ihnen.

„Was war denn das ?“ fragte er sie. „Das übliche Empfangskomitee“ antwortete sie, während sie einen Gang entlang ging. „Was ist denn das übliche Empfangskomitee, bitte schön ? Und wieso sind die so hinter dir her ?“ Jessica blieb stehen und sah ihm tief in die Augen. „Nun gut, einmal muss ich es Dir ja mal sagen. Ich bin Modedesignerin in New York und Frankreich, und habe hier in München eine Kollektion vorgeführt. Nun fliege ich wieder zurück nach Paris, und ich möchte, dass Du mitkommst.“ Jonathan schluckte. Das ging bei weitem über seinen Verstand.

Wieso hatte dieses Mädchen mit 22 Jahren schon so einen Erfolg, und er buckelte sich unnütz einen im Studium ab ? Und wieso sollte ausgerechnet er mit ihr kommen ? „Du kannst Dich jederzeit anders entscheiden.“, sagte Jessica.

„Mein Pilot wird Dich jederzeit nach München zurückfliegen.“ Der junge Mann dachte kurz nach. Er hatte schon immer von einem Urlaub in Paris geträumt, und die Semesterferien begannen in der nächsten Woche. Also entschied er sich positiv und nickte. „Dann komm“ sagte Jessica, und sie gingen Hand in Hand den Gang zum Flugzeug entlang. Der Schnorchel endete direkt am Learjet, und der Pilot empfing sie in der Kabine. Er war ein typisch französischer Typ, hatte dunkelblonde Haare und trug genau das gleiche Pilotenhemd, das auch Jonathan gestern getragen hatte. Darüber musste Jonathan lachen, und das löste seine Beklemmung etwas.

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