Die Folter vom blonden Gift, Teil 1

Der Ort, in dem ich, aufwuchs, liegt in der Provinz, südlich von München. Wie es am Land üblich ist, treffen sich in den Schulen immer die Kinder aus mehreren kleinen benachbarten Dörfern. Und wie es in dem Alter fast üblich war, schlugen sich Mädchen und Jungs gegenseitig fast die Köpfe ein. Ich verhielt mich wie jedes andere Kind in unserem Alter, spielte einerseits gerne mit Mädchen, wenn ich sie privat traf, und in der Schule flogen die Fetzen. Wenn jemand deswegen nachsitzen musste, dann war es fast immer der Stefan Gruber. Ach ja, ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Gruber, Stefan Gruber. Tja, man musste doch cool sein. Und damals gab es diesen Geschlechterkampf noch. Was konnten die kleinen Biester damals zuschlagen.

Wie jeder andere in meinem Alter wuchs auch ich aus den Kinderschuhen heraus, die Wege der Freunde trennten sich von meinen, als wir in verschiedene Schulen wechselten. Wir verloren uns aus den Augen. Schließlich hatte ich meine offiziell so verhassten und andererseits recht geschätzten Spielgefährtinnen aus dem Gedächtnis verdrängt, vergessen könnte man fast sagen. In meiner Erinnerung blieben sie immer die kleinen Mädchen, deren Haar meist zu Zöpfen geflochten war. Gemessen an ihren boshaften Attacken gegen Jungs hatten viele von ihnen ein absolut niedliches Gesicht, weswegen ich manche damals eigentlich schon ein klein wenig mochte.

Ich absolvierte das Gymnasium ohne gröbere Schwierigkeiten und besuchte nach dem Wehrdienst die Fachhochschule, um Facility Management zu studieren. Zugegeben ein kurzes Studium, aber in den drei Jahren wird einem alles abverlangt. Somit blieb auch mein Privatleben eher auf der Strecke. Freundinnen hatte ich nur äußerst selten, zwei um genau zu sein. Aber bei meinen nächtlichen Lerneskapaden machten viele einfach nicht mit und verabschiedeten sich frühzeitig. Meine Zeit als Playboy, in der ich die Versäumnisse nachholte, folgte jedoch prompt.
Drei Jahre und einen halbjährigen Australienaufenthalt später, hatte ich mein Diplom in der Tasche. Damit bewarb ich mich bei einem europaweit erfolgreichen Unternehmen um den freien Posten im Organisationsbereich und wurde prompt aus mehreren Mitstreitern ausgewählt.

Die Probezeit von einem halben Jahr nutzte ich, um mich zu profilieren. Ich rackerte mich ab, verbrachte mehr Zeit in der Firma, als nur irgendjemand sonst. Nun ja, ihr werdet mir glauben, dass es nicht viele Frauen gab, die es längere Zeit an meiner Seite aushielten. So standhaft und geduldig war keine, um jeden Abend auf mich zu warten. Aber das störte mich nur in geringem Maße. Gelegenheiten, meine Sexualität auszuleben, gab es in Hülle und Fülle. Die Mischung aus elegantem Aussehen, einer dicken Geldbörse, die ich durch meine spendable Art immer zur Schau stellte, und einer Portion Charme ebnete den Weg zu Dutzenden Frauenherzen oder soll ich sagen Lustpforten? Na egal. Wenn ich Frauen zu dem einen oder anderen Drink einlud und mit ihnen ins Gespräch kam, dieses länger als eine Stunde dauerte, standen die Chancen nicht schlecht, dass der Abend mit einem gemeinsamen Schläferstündchen endete.
Es war eine harte Zeit, wenn ich an die vielen Arbeits- und Überstunden denke, dennoch machte sich mein Einsatz bezahlt. Als ich zum Chef gebeten wurde, um über den Dienstvertrag zu verhandeln, hatte ich alle Trümpfe in der Hand, war doch für unseren Bereich eine zuverlässige Stütze geworden. Ohne zu zögern, bekam ich einen unbefristeten Vertrag, ein noch fetteres Gehalt und natürlich einen Dienstwagen, schließlich würde ich viel unterwegs sein. Für mich natürlich noch eine Erleichterung, um Mädchen zu beeindrucken und abzuschleppen. Die Rollen waren dabei klar verteilt. Ich spendierte der Dame den Abend, sie bereitete mir eine lustvolle Nacht. Somit kamen wir beide auf unsere Kosten.

Wie es das Schicksal manchmal will, kreuzen sich die Wege zweier Menschen eines Tages wieder. Und auch ein Lebemann, wie ich einer war, muss sich seinem Schicksal irgendwann ergeben und Farbe bekennen, wenn ihn Amors Pfeil trifft. Wie es sich zutrug und was dabei herauskam? Seht selbst.

*****

Es war im August, der Vierzehnte, um genau zu sein, ein Dienstag. Ich verließ frühzeitig, um 8 Uhr, mein Zimmer in einem luxuriösen Hotel in Lignano, machte mich auf den Weg zu meinem Meeting, bei dem ich einige unserer italienischen Kollegen kennen lernen sollte. Es ging darum, die Unternehmensstrategien zu diskutieren, die Wettbewerbsfähigkeit im Süden Europas zu eruieren. Eingeladen waren alle Vertreter aus Italien, von Bozen bis Palermo und natürlich die Spitzen der Muttergesellschaft und deren nächste Mitarbeiter.

Das Meeting sollte die ganze Woche in Anspruch nehmen. Jeder Sektion war ein eigener Tag gewidmet. Am zweiten Tag, eben jenem Dienstag, war die Region Südtirol – Venetien – Lombardei eingeladen, um ihre Interessen zu vertreten. Ich war nicht wirklich begeistert von diesem Meeting, hatte mir ganz andere Hoffnungen davon gemacht. Ich dachte wirklich, es würde interessante Vorträge geben, über die Region, über die einzelnen Firmen. Doch den ganzen Montag lang wurde nur diskutiert – ein wahrhaft „gelungener“ Auftakt für einen Branchenneuling wie mich. Man wollte die Firma in Palermo erweitern, wollte zusätzliche finanzielle Mittel erwirken. Eine andere wiederum, rund 100 km südlich von Napoli drängte darauf, die Produktion weiter in den Norden verlegen zu dürfen usw.
Ein heilloses Desaster, das sich über den ganzen Tag hinzog. Danach qualmte mein Schädel. Ich wollte nur noch ins Bett und sehnte mich schon nach dem Ende des Meetings, den Freitag, an dem es wieder zurück nach Hause ging.

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