Die Folter vom blonden Gift, Teil 1

Vom Verlauf dieses Dienstags war ich jedoch angenehm überrascht. Pünktlich um 8:30 hatte der letzte geladene Gast, ein älterer Herr, ich schätzte ihn auf etwa 55 bis 60 Jahre, den Konferenzsaal des Hotels betreten und nahm links neben mir Platz. Zwar war der Saal mit allem eingerichtet, was man braucht, sprich Beamer, Overhead Projektor, Fernseher, Video, Leinwand usw., aber ansonsten war das Klima eher nüchtern und kühl. Nichts, was einen ablenken konnte. Keine Bilder an den weißen Wänden, schlichte Möbel, die Tische zu einem Hexagon zusammengestellt, gemütliche, mit Leder bezogene Drehstühle mit hohen Lehnen für Rücken und Arme.
Mir gegenüber saß eine äußerst attraktive junge Frau, sie war die Finanzleiterin eines Werks in Meran.
Als Frau Dr. Jasmin Schmid wurde sie uns vorgestellt, eine, aufstrebende und kompetente Person, wie ihr Chef uns versicherte. Sie verhielt sich erstaunlich unauffällig. Für gewöhnlich waren die Herrschaften ihres Amtes sehr aufdringlich und versuchten immer, ihre Zahlen so dramatisch wie möglich in Szene zu setzen, um sich als Vertreter Musterbetrieb zu zeigen. Doch nicht dieses auffallend hübsche Geschöpf. Ihr Vortrag war kurz und prägnant, ihr Auftreten eine Augenweide. Ihr beiger Rock schmiegte sich eng um ihre Beine, während sie ihre Powerpoint-Präsentation vorstellte. Sie verbarg ihren Südtiroler Akzent gekonnt, zeigte sich wortgewandt und charmant, erstaunlich charismatisch, äußerst gebildet und dennoch nicht überheblich.

Die Zahlen, die sie vorlegte, klangen plausibel, und das, obwohl sie überdurchschnittlich positiv ausfielen in Anbetracht der wirtschaftlichen Flaute. Vielleicht hatte ich mich auch von ihrer optischen Erscheinung blenden lassen, von ihrem schon erwähnten beigen Rock, ihrer hellen Bluse, den seidigen Strümpfen, von denen ich erst später merkte, dass es gar keine Strümpfe waren. Ich hatte mich von dem seidigen Schimmer ihrer weichen Haut täuschen lassen. Bei ihren gestikulierenden Bewegungen spannte sich ihre Bluse, deren oberste Knöpfe großzügiger- oder teuflischerweise geöffnet waren, und sofort fiel mein Blick auf die zarten Rundungen, die sich darunter abzeichneten. Bei ihrem energischen Schritt, mit dem sie sich bewegte, konnte ich das sanfte Wippen ihrer Brüste erahnen, ihr strammer Po, wackelte dabei verführerisch, sodass meine Augen gar nicht anders konnten, als diesen Bewegungen zu folgen. Wenn sie sich dann noch im richtigen Winkel zu mir drehte, konnte sich mein Blick zwischen ihre Blusenknöpfe zwängen und ein klein wenig den Hohlraum inspizieren, der von den sanften Falten ihres Stoffes herrührte.

In den zwanzig Minuten, die ihr als Sprechzeit zugesichert waren, betete ich mehrmals, sie möge sich doch ein klein wenig mehr zu mir drehen, sich ein wenig mehr nach vorne beugen, sich öfter strecken, um nur möglichst viel von ihrem Antlitz in mich aufzusaugen. Doch den Gefallen tat sie mir nur selten. Sie schien lediglich darauf bedacht zu sein, ihren Vortrag so professionell wie nur möglich zu halten und einen guten Eindruck zu hinterlassen.
Den hatte sie bei mir allerdings eindeutig hinterlassen. Die Frau hatte etwas, was ich unbedingt wollte. Seltsam. Bislang sah ich darin nie so eine große Herausforderung in der Eroberung eines Mädchens. Aber irgendetwas in mir meinte, es würde nicht allzu leicht werden, diese personifizierte Versuchung zu knacken. Und später, entgegen allen Anzeichen, sollte dieser verruchte Gedanke doch tatsächlich Recht behalten.

Aber noch machte ich mir darüber keine Gedanken. Ich war verwöhnt, was Frauen und One-Night-Stands anging. Ich war für gewöhnlich derjenige, welcher alles bekam, was er wollte. Das Studium, den Beruf, die Frauen. Ich konnte mir die tägliche Begleitung sogar aussuchen. Ich war es gewöhnt, dass Frau auf mich, mein Geld, oder den Erfolg, der bekanntlich sexy macht, abfährt. Wieso sollte ich mich also jetzt schon mit dem Gedanken quälen, wie ich diesen süßen Feger abschleppen konnte? Ich war mir (fast schon zu) sicher, dass alles von selbst gehen würde.

Nachdem ihre zwanzig Minuten vorüber waren und die einzelnen Vertreter ihre Fragen an sie richten durften, gewährte sie mir noch ein, zweimal Einblick in ihr Dekolletee, aber nur kurz, wenn sie sich über ihr Notebook beugte, um die entsprechende Grafik hervorzuzaubern. Egal, was sie machte, in welche Richtung sie sich streckte und mir einen Quadratzentimeter mehr Haut zeigte als gewollt, so hatte ich das im Visier. Ob sich der Rock kurz nach oben zog oder die Bluse zwischen den Knöpfen kurz einen Einblick bot, ich hatte es im Auge. Und wie ich mich ärgerte. Ich hatte erkannt, dass sich keine Träger eines BHs unter dem Stoff abzeichneten, mein Blick konnte aber nicht ein einziges Mal weiter als bis zur Hautpartie zwischen ihren Brüsten vordringen. Garantiert hatte sie Brüste, die keinen BH oder Wonderbra brauchten, um das Dekolletee noch reizender hervorzuheben. Wenn sich die Bluse mal wieder gänzlich straffte, bildete ich mir sogar ein, einen unscheinbaren Schatten ihrer Brustwarzen durch den Stoff sehen zu können. Prompt ging an der Stelle meine Fantasie mit mir durch.

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