Bezahlter Exhibitionismus

„Findest du ihn attraktiv?“ frage ich ein bißchen verblüfft. Ich hatte mich so darauf eingestellt, nicht mit ihm zu vögeln, daß ich mir vermutlich selbst verboten habe, mal gründlich darüber nachzudenken. „Na ja, mein Typ ist er nicht“, sagte Geoff. Aber mir entgeht nicht eine gewisse Spannung, eine Verlegenheit, so daß sich mir die Frage aufdrängt: und wenn? Aber dann fährt er fort: „Ich dachte, daß du vielleicht . . .“
Ja, er ist eindeutig verlegen. Falls Geoff auf diese japanische Katze scharf ist, bin ich vielleicht diejenige, die ein Weilchen zusehen kann. Der Gedanke heizt mir so mächtig ein, vor allem, weil ich so etwas noch nie erlebt habe. Ich stell‘ mir Geoff mit einem Schwanz im Mund vor, mit einem Mann, der ihn bumst. Es verschlägt mir die Sprache, wenn ich mir dieses lustvolle, völlig neuartige Vergnügen vorstelle… ich darf mir nichts anmerken lassen. „Du meinst, du wurdest gern zusehen, wenn er mich vögelt?“

Ganz aus der Nähe kommt das Klicken von Eiswürfeln in Gläsern, und Kikushi betritt den Raum. Wir verstummen beide. Und er weiß, daß er uns bei etwas unterbrochen hat. Als er sich niederbeugt, um mir mein Glas zu reichen, geht sein kurzer schwarzer Kimono auf, und ich sehe eine braune, unbeharrte Brust mit Brustwarzen wie Kupferpfennige. Nicht schlecht. Er bleibt vor dem abgesetzten Glas stehen, und mit dem Rücken zu Geoff und mir schaut er hinaus auf den Garten. Er streift seinen Kimono ab, und es sieht ganz so aus, als hätte er eioe Hand an seinem Schwanz, und die Muskeln seines Hinterteils drücken zwei hübsche Grübchen in seinen glatten, braunen Hintern. Er bleibt minutenlang stehen. Reißt er sich einen ab? Ich schaue zu Geoff hin, um mich zu vergewissern, wie er darüber denkt und sehe, wie seine Hand unter Wasser sich selbstvergessen, aber schwungvoll an seinem zuckenden Glied zu schaffen macht. Er ist voll drauf. Phantastisch.

Doch als Kikushi sich herumdreht, ist er ganz und gar nicht steif, obwohl er einen hübsch proportionierten Schwanz hat, der zwischen den zwei pflaumengroßen Eiern runterhängt.Vermutlich hat er meditiert. Er steigt zu uns ins Bad und sagt: »Sehr erfreut, dass Sie heute kommen konnten. Ein herrlicher Tag…“ Und ich denke, mein Gott, wie schafft er das bloß, so gleichmütig und obenhin zu sein. Übrigens ist draußen eine graue, dicke Suppe. Zu Geoff gewandt sagte er: „Sir, Sie sind sogar noch attraktiver, als Vicky gesagt hat. Ich dachte, sie übertreibt, wenn sie sagte, dass ich Sie sehen muß aber nein, nein, sehr hübsch. Danke, danke Vicky. Sie haben mir einen so schönen Mann zum Fotografieren gebracht.“ Er nickt mit glücklichem Lächeln. Das ist das geschäftliche Vorspiel; es soll uns daran erinnern, weswegen wir hier sind. Ich stürze meinen Schwarzen Russen hinunter. Geoff kippt seinen Scotch. Kikushi war so weitblickend, die Flaschen mitzubringen, und er steigt aus dem Becken, um unsere Gläser nachzufüllen.

Noch ein paar Drinks und noch mehr unverbindliches Blabla, und ich bin soweit, die Sache jetzt energisch anzugehen. Ich spüre, daß ich ein bißchen blau bin, aber das macht es nur leichter. Ich denke mir, wie es wohl wäre, wenn ich statt einer Schriftstellerin ein Pornostar würde und mir meinen Weg durchs Leben bumse, anstatt mich mit all diesem intellektuellen Scheiß herumzuplagen… man macht mehr Geld, das ist mal Tatsache. Ich muß bei dieser verwegen komischen Aussicht kichern, während Kikushi uns ins Studio führt. Geoff wirft mir einen Seitenblick zu und hat wieder diesen strengen Gesichtsausdruck. Nachdem langen Einweichen im Wasser ist sein Schwanz wieder schlaff, und ich sehe, daß er sich ernsthaft Sorgen macht, ob er ihn wohl in Gegenwart dieses sonderbaren Mannes wieder hochbekommen wird. Aber so, wie ich mich fühle, braucht er sich darüber keine Gedanken zu machen. Ich werfe mich, alle Viere von mir gestreckt, bäuchlings aufs Bett.

Kikushi weist uns ein: „Nun beginnen Sie. Tun Sie einfach so, als wäre ich nicht hier und Sie beide bei sich zu Hause.“ Mit einem Blick über die Schulter sehe ich, wie er sich in eine dunkle Ecke verzieht, wo die Kamera als hohes, wachsames Auge steht. Ich streiche mit den Händen über das weiße Kashmirlaken und denk mir dabei: ‚immerhin hat er einen guten Geschmack‘. Es ist fast so weich wie Geoffs Haut. Mir ist noch ganz heiß vom Baden, aber auch das Bett ist ganz warm. In diskretem Abstand sind strategisch Scheinwerfer aufgebaut. Kein Wunder, dass es in Kikushis Ecke so dunkel aussieht. Gegen die Lichter kann ich ihn kaum erkennen. Geoff lässt sich aufs Bett sinken und liegt halb auf mir, nur um mir ganz nahe zu sein. Ich rolle mich herum, und jetzt liegen wir Bauch an Bauch. Während wir uns tief in die Augen sehen, schlinge ich meine Arme um seinen Hals.

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