Liebe auf den ersten Blick

Laut schnappte die Wagentür ins Schloss. Noch einmal fuhr der junge Mann sich durch die Haare, prüfte den Sitz der Krawatte und zog sich ein letztes Mal das helle Jackett zurecht.
Sein Blick fiel auf einige Personen (ebenfalls festlich gekleidet), die gerade die Tür zur kleinen Bahnhofskneipe aufstießen und hineintraten. Der junge Mann sah noch einmal zum Himmel und erkannte die immer starke Mittagssonne. Den ganzen Tag hatte sie vom Himmel gebrannt und die Hochzeit seines besten Freundes zur leichten Strapaze werden lassen. Um vierzehn Uhr war kirchliche Trauung gewesen. Stattgefunden hatte das ganze natürlich in der Stadtkirche.

Der Pastor des Brautpaares war mit ihnen befreundet und so hatte es ihm eine besondere Freude bereitet Klaus zu trauen. Noch während er seine Schritte nun auch in die kleine Gaststätte lenkte und andere Gäste grüßte, ließ er alles noch einmal im Geiste passieren. Noch vor einem Jahr hatten er und Klaus die Köpfe geschüttelt sobald das Wort „Heirat“ im Gespräch gewesen war. Sie waren beide eingeschworene Singles gewesen – bis Melanie kam.
Klaus hatte sie zusammen mit ihm in einer kleinen Galerie getroffen. Klaus hatte ihn, den jungen Mann eigentlich nur begleitet weil sie wie immer alles gemeinsam taten. Sie waren die besten Freunde, studierten zusammen, sahen die gleichen Filme, hatten Spaß, gingen zusammen zum Handball – eben eine richtige Freundschaft. Und dann stand vor diesem riesigen Gemälde (das ihn an eine bunte Suppe mit vielerlei Zutaten erinnerte) diese Frau.

Sie stand dort einfach in einem schwarzen Minikleid und strich sich mit ihren Daumen nachdenklich über das Kinn. Irgendwie hatte diese Berührung irgend etwas erotisches ausgestrahlt. Etwas, dem er sich nur mit Mühe hatte entziehen können. Er war gleich weitergegangen nachdem er ihre tolle Figur bewundert hatte. Ein paar Meter weiter war ihm dann aufgefallen das Klaus einfach so dastand. Sein Mund hatte er geöffnet gehabt. Daran konnte er sich noch genau erinnern.

Sein Freund hatte nur Augen für die Frau gehabt. Als er den Namen seines Freundes rief, reagierte Klaus nicht einmal. Erst beim dritten (und lauteren Ruf) hatte er sich umgedreht. Dummerweise auch die paar anderen Anwesenden – und somit auch die junge Frau. Sie sahen sich alle erstaunt um, wer denn da den Namen eines Mannes schon fast durch eine totenstille Ausstellung gerufen hatte und der Blick der Frau fiel auf Klaus der sie immer noch ansah.
Als der junge Mann den Blick seines Freundes und der Frau sah wusste er schon: Da hatte es gefunkt.

„Hi“, hatte Klaus zu der Frau gesagt und sie angegrinst.
„Hi…“, hatte die Frau zurück gegrüßt und war dann auf Klaus zugegangen. Klaus hatte sie eingeladen und seit dem waren sie zusammen. Einen Monat später zogen sie in die gleiche Wohnung und er, Peter, erfuhr drei Monate später von ihren Heiratsplänen. Er hatte den beiden gratuliert und zusammen mit Klaus eine ziemlich feuchte Single-Abschieds-Party organisiert. Noch jetzt musste er schmunzeln.

Er wusste nicht, wann er das letzte mal so viel getrunken hatte. Und heute hatte sein Freund eine wunderschöne Braut geheiratet. Er hatte noch die Ringe reichen dürfen und als sie sich beide vor dem Altar küssten, klatschte der ganze Kirchsaal Beifall. Ein ganz klein wenig beneidete er seinen Freund um dessen Glück. Er und Melanie – das war echte Liebe. Man spürte es deutlich, wenn man mit den beiden unterwegs war. Da lag zwischen ihnen eine Spannung in der Luft, die fast körperlich zu spüren war. Und schon oft hatte Peter sich gewünscht doch auch ein nettes Mädchen so kennen und lieben zu lernen.

Aber seine Beziehungen waren bisher nicht von Dauer gewesen, nie hatte es lange genug gehalten als das es erst bis zur Verlobung gekommen wäre. Und so musste sich Peter eben auf seine Traumfrau vertrösten, während Klaus sie bereits gefunden hatte. Endlich kam er in den großen Saal. Zwei riesige Tafeln aus Dutzenden Tischen standen reich bedeckt mit Speisen bereit. An jedem Sitzplatz standen kleine Kärtchen mit den Namen der Gäste.

Peter fand schließlich seinen und setzte sich. Er saß neben einer dicken Dame von der er nur wusste, das sie zu entfernten Verwandtschaft der Braut gehörte. Zwei Plätze weiter von ihm hatte das Brautpaar seinen Platz – natürlich an der Stirnseite des Tisches. Klaus winkte noch zu ihm herüber und lächelnd hatte Peter zurück gegrüßt. Klaus sah glücklich aus und Peter dachte zurück, wie oft Klaus ihm gegenüber erwähnt hatte, das er es kaum noch bis zur Heirat aushalten konnte. Nun also war sein Tag gekommen und bestimmt ging für ihn ein Traum in Erfüllung. Als endlich alle Gäste saßen, klopfte Klaus leicht mit einem Löffel an sein Weinglas uns stand auf.

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