Susi… das heisse Teenygirl

„Können Sie uns nicht endlich sagen, was beim Quali tatsächlich dran kommt?“ empörte sich Susi aus der zweiten Reihe.

„Natürlich könnte ich. Wie wärs mit einem sehr privaten Treffen – dann zeige ich dir nicht nur meine Briefmarkensammlung, sondern auch die Prüfungsunterlagen?“ fragte ich sehr ironisch zurück und die 9a grölte. Susis Gesichtsfarbe verwandelte sich in tomatenrot und ich war wieder einmal Sieger geblieben – glaubte ich. Seit zwei Jahren verbrachten wir jetzt jeden Vormittag und einen Teil derNachmittage miteinander – die 23 Mädchen und Jungen – und ich – ihr Klassenlehrer. Wir bildeten eine Familie – von einer seltsamen Mischung aus Hass und Liebe zusammengehalten. Die 14- bis 15jährigen nahmen an meinem Schicksalsschlägen genauso anteil, wie ich an ihren. Egal ob es um meine Scheidung, Claudias verflossenen Lover oder Svens Vater, der nach einem Autounfall im Koma lag, ging – die Klasse erfuhr es ziemlich bald und bemühte sich, den oder die Betroffene/n zu trösten.

Aber wehe, es stand wieder einmal Mathe auf dem Stundenplan: „Hausaufgaben -mach ich nie – Mein Heft hat unser Hund gefressen – Ich war gestern im Ballett -….“ und so weiter und so fort. Von der Disziplin, die ihre Altersgenossen im Gymnasium an den Tag legten – keine Spur. Deshalb war ich – ähnlich wie die anderen Kolleg/innen zum ausgeprägten Zyniker geworden. Mein „Natürlich, wie konntest du es auch wissen – hat dein Hamster gestern Geburtstag gehabt?“ war schon mehrfach in der Schülerzeitung erschienen. Deshalb bürstete ich Susis Bemerkung einfach ab und machte mit dem Unterricht weiter.

Doch nach dem Gongschlag stand sie an meinem Pult und sagte: „Das mit der Briefmarkensammlung war ziemlich gemein, Herr Svendal. Was hätten Sie denn gesagt, wenn ich: Ja, gerne, wann denn? gesagt hätte?“

Ich lehnte mich erschöpft in meinen Stuhl zurück und antwortete ihr:

„Dann hätte ich dir vor dem versammelten Haufen mitgeteilt, dass du leider noch zu klein für solche Spielchen bist und wir uns in zwei Jahren gerne darüber unterhalten können.“

„Dachte ichs mir doch – typisch Lehrer. Aber was ich eigentlich fragen wollte – meine Mama hat mich beauftragt – würden Sie auch privat Unterricht geben? Kerstin und ich haben nämlich ein ziemlich großes Matheloch im Kopf. Meine Mutter würde auch dafür zahlen.“

„Vergiss es – das darf ich nicht.“

Susi machte auf dem Absatz kehrt und verschwand aus dem Klassenzimmer. Am nächsten Tag nahm mich mein Chef zur Seite und fragte, ob ich nicht eine Qualigruppe für Mathe gründen könnte. Dafür würde er mir die Sportstunden am Nachmittag abnehmen. Mehrere Eltern hätten ihn deswegen angerufen. Ich müsste das ja nicht in der Schule machen – es könnte ja – wenn ich nichts dagegen hätte – auch bei mir zu Hause stattfinden. Natürlich stimmte ich zu.

Am nächsten Tag meldeten sich drei Anwärter für den „Mathe-Leistungskurs“, wie ich es nannte und wir vereinbarten den Dienstagnachmittag von 15 – 16.30 Uhr als festen Termin.

Am Freitag und Montag saß nur noch die halbe Klasse vor mir. Eine Grippewelle tobte durch die Stadt. Susi hustete zwar vor sich hin – trotzdem fragte sie mich am Montag, nach Unterrichtsschluss:

„Auch wenn die anderen beiden nicht kommen – zeigen Sie mir trotzdem ihre Briefmarken?“

Statt meine Antwort abzuwarten, ging sie hüftschwenkend aus dem Klassenzimmer. Ich starrte ihr nur fassungslos hinterher.

Am Dienstag hielt um 14.45 Uhr ein Auto vor meinem Haus. Susi, mit einem Stapel Büchern unter dem Arm kletterte vom Beifahrersitz, gab ihrer Mutter noch ein Abschiedsküsschen und klingelte bei mir. Ich bat sie herein, führte sie ins Wohnzimmer und brachte ihr ein Glas Apfelschorle.

„Gemütlich haben Sie es hier – aber eigentlich möchte ich Ihre Briefmarkensammmlung sehen.“

sagte sie und sah sich ausgiebig um. Sofort antwortete ich ihr ziemlich patzig:

„Spinnst du. Setz dich hin, damit wir Mathe machen können.“

„Darauf habe ich keine Lust. Ich werde mich jetzt langsam ausziehen und Sie können mir entweder zusehen oder die Polizei anrufen. Bis die da sind, dauert es eine Weile und was ich denen erzähle, können Sie ich wohl vorstellen. Also – darf ich strippen?“

Das kleine Luder wollte mich erpressen! Nicht mit mir! Ich lehnte mich zurück und meinte eiskalt:

„Na mach schon, was du nicht lassen kannst. Und wenn du dann hier nackt rumstehst, rufe ich deine Mutter an und beschreibe ihr jedes Detail, das ich sehe.“

Susi schnappte nach Luft – so hatte sie sich die Verführung ihres Lehrers nicht vorgestellt. Wasser schoß ihr in die Augen und sie schluchzte:

„Finden Sie mich denn so hässlich?“

Ich stand auf, nahm das zitternde Mädchen in den Arm und sagte:

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