Bis ans Meer, Teil 1

Manchmal hält das Leben doch einige Überraschungen parat… meistens dann, wenn man wirklich auf dem absteigenden Ast sitzt.
Doch von Anfang an: Ich sah sie das erste Mal in der kleinen Pizzeria an der Ecke, ein unscheinbarer Laden, von aussen nicht sehr sauber, zweifelhaftes Publikum, aber eben eine verdammt schmackhafte Thunfischpizza. Es war einer der ersten Frühlingsabende, ich kam abgespannt von der Arbeit, hatte mir noch anderthalb Stunden Workout angetan und hatte Kohldampf auf was Herzhaftes….
Sie stand hinter der kleinen Theke und nahm die Bestellungen auf, kritzelte alles auf einen kleinen Block und reichte es an den Pizzabäcker weiter. Ich hatte sie dort noch nie gesehen, sonst stand immer eine etwas kräftigere Dame mittleren Alters dort, die einen mehr oder weniger angrunzte. Sie ist jung dachte ich: sechzehn, siebzehn,…. „Hallo,…“ zwei dunkelbraune Augen strahlten mich an, „Was soll es denn für Dich sein?“

Scheinbar unbeeindruckt gab ich meine Bestellung auf, war aber doch gefesselt. Souverän und freundlich wickelte sie ihren Job ab und diese Freundlichkeit sowie, ja wie soll ich es sagen, jugendliche Unbekümmertheit?, schlugen mich in ihren Bann. Sie mochte so 1,70 m groß sein, dunkelrot gefärbte, kurze Haare, die von einem Haarband nach oben „gebändigt“ wurden, dann diese wunderschönen braunen Augen, ein jugendlich frisches Gesicht, wohlgeformte, kleine Brüste, verborgen unter einem weißen Top und einer hellen Bluse. Ich mußte unwillkürlich an „Girlpower“ und Mel C von den Spice Girls denken, nur in einer viel jugendlicheren Variante.
Mit zwei Tellern beladen huschte sie an mir vorbei und ich kam in den Genuß ihrer einladenden Rückpartie, ein fester, schmaler Po, verhüllt durch eine enge schwarze Hose mit Schlag, lässig einen aus großen Metallschnallen zusammengeketteten Gürtel um die Hüften geschlungen, links durch eine Schlaufe an der Hose gehalten, rechts nur durch ihre Pobacke daran gehindert bis auf den Oberschenkel abzurutschen. Sie setzte ihre Fracht an einem Tisch mit einem älterern Ehepaar ab, kam zurück und schenkte mir ein süßes Lächeln, ihre Rehaugen trafen meinen Blick…
Was mich zudem faszinierte, war die Tatsache, daß ihr Lächeln eine Zahnspange entblößte, die ihre untere Zahnreihe umspannte und das keinesfalls abstoßend wirkte, sondern eher wie ein abrundendes Merkmal ihrer jugendlichen Weiblichkeit. „So hier Deine Pizza, macht 11 DM,…“ wurde ich aus meinem Tagtraum gerissen. Ich lächelte, suchte nochmals ihren Blick, zahlte und verschwand. Ich dachte noch einige Zeit an sie, doch bald verschwammen die Gedanken an sie im alltäglichen Allerlei der Jobhetze…

Einige Wochen weiter hatte ich sie bald ganz vergessen, die Pizzeria hatte ich seitdem nicht mehr besucht und die Arbeit fraß mich auf. Es war so der Zustand, den jeder wohl kennt, der letzte Urlaub Monate her, nichts will mehr so recht gelingen, die Arbeitskollegen, der Chef, alle nerven nur noch und man hat das Gefühl ausbrechen zu müssen…Das Maß des Erträglichen war überschritten und ich hatte die Konsequenzen gezogen.
Der nächste Urlaub immer noch sechs Wochen hin, hatte ich mich an einem Mittwoch morgen krankgemeldet, meinem Hausarzt ein Attest für den Rest der Woche abgerungen und beschlossen, es mir einige Tage gutgehen zu lassen.
In der Tasche hatte ich den Schlüssel eines Bungalows, der sich an der holländischen Küste, in der Nähe von Zandvoort, in die Dünen schmiegt. Es war der „bescheidene“ Wochenendsitz eines Arbeitskollegen, den ich nicht unbedingt gut leiden konnte, der aber, warum auch immer, einen Narren an mir gefressen hatte. Er hatte mir angeboten den Bungalow mal nutzen zu können und da er ein halbes Jahr beruflich in den USA weilte, hatte er mir auch direkt den Schlüssel vermacht.
Warum dann dem geschenkten Gaul ins Maul schauen? Dieser strahlende Tag, es war mittlerweile Ende Juni und wirklich warm, war wie dazu bestimmt „unterzutauchen“. Mein Golf Cabriolet war für die 4 Stunden Fahrt gerüstet, 500 Piepen hatte ich abgehoben, was für die Tage reichen sollte. Mein Freiheitsdrang war vollkommen entwickelt, ich wollte alles über Bord schmeißen was unnützer Ballast ist. Neben den alten Jeans und dem T-Shirt, die ich am Leib trug bestand meine Gaderobe nur noch aus einer Bandana, ein Tuch, das ich lässig in Piratenmanier um den Kopf gebunden hatte (vielleicht albern für einen Mittdreißiger, aber so trage ich es gerne), ein Paar ausgelatschten Turnschuhen, einer Badehose und Ersatzjeans bzw. Ersatz T-Shirt. Was noch fehlte war ein Besuch beim Supermarkt um die Ecke um ein wenig Proviant einzukaufen.
Mit seit Monaten mal wieder guter Laune pirschte ich durch die Regale, schlug hier mal zu, dann dort…was fehlte war noch eine Zahncreme…ich bog in den nächsten Gang ein und…stolperte über die nette Bedienung aus der Pizzeria, die gerade gebückt vor dem Regal stand um sich einen Artikel zu greifen. „Oh Scheiße,…ich meine Entschuldigung, ich war mit meinen Gedanken ganz woanders…“, brachte ich hervor. „Ach, wirklich kein Problem…“, wieder dieses herrliche Lächeln. „Aber sag mal, Du kommst mir bekannt vor…“. „Ja, ab und zu bin ich mal in der Pizzeria an der Ecke und Du bedienst da…“.

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