Cybersex

Die Gestalt einer Frau wurde sichtbar, vom dunkelhaarigen Typ, mit großen, weichen Brüsten.
Daneben erschien eine Schriftzeile, nämlich die Aufforderung, eine Botschaft an die schöne Unbekannte einzutippen. Romeo beugte sich über die Tastatur und begann zu schreiben. Er machte die Unbekannte mit seiner Vorliebe fürs Schlafen im Freien bekannt, mit seiner Schwäche für spitzenbesetzte Büstenhalter und mit seinen Maßen.
In zwei oder drei Sekunden müsste die Antwort auf der Mattscheibe aufleuchten. Der neue PC, mit raffinierter Software bestückt, war wirklich die ideale Lösung, wenn ein Mann sauberen Sex haben wollte. Vorbei die Zeiten, wo man sich zumindest frisch rasieren und umziehen, wo man das Mädchen bewirten und mit sanfter Musik schmeicheln musste. Dieser Chat machte umständliches Beiwerk überflüssig. Mit Codezahlen, die der Teilnehmernummer vorgeschaltet wurden, konnte man sich mit Frauen in Verbindung setzen, die ganz bestimmte Sexualtechniken bevorzugten.

Für ihn, der bis vor kurzem nur mit prüden Girls zu tun gehabt hatte, war Computersex wie ein Schlaraffenland, wo alle Wünsche erfüllt wurden, und das auch noch zum Spartarif. Ein süßes Vorgefühl, was die weitere Action mit IHR anging. Er wollte gerade die Image-Taste drücken und das bewegte Bild seiner Wunschpartnerin auf den Monitor zaubern, als die Türklingel ertönte. Seufzend erhob er sich. Er durchquerte den Raum und öffnete.
Sie war 18 oder 19, blond, großgewachsen, mit glatten, wunderbar runden Schenkeln, die sich unter ihrem schwarzen Minirock abzeichneten. Was nichts an der Tatsache änderte, dass Romeo die Störung ungemein peinlich und störend fand. „Ich kaufe nichts“, sagte er und schielte auf den Monitor, wo sich Nr. 102264583 aus ihrem BH schälte. „Ich abonniere auch keine Zeitung. Guten Abend.“ „Ich heiße Juliette“, sagte sie mit aufreizend spröder Stimme.

„Würden Sie mir mit etwas Zucker aushelfen?“ Er war verblüfft. „Sie wohnen hier im Haus?“ „Ein Stockwerk über Ihnen. Ich bin heute früh eingezogen.“ Romeo kam aus der Küche zurück. „Zucker, bitteschön.“ Sie hatte die Schwelle überquert und strich sich die blonden Strähnen aus der Stirn. Eine Geste, die Bewegung in ihr T-Shirt brachte.
„Dann bräuchte ich noch etwas Kaffee. Gemahlenen.“ Die rote Signaltaste hatte zu blinken begonnen, und Romeo wusste auch, warum. Seine Chat-Freundin wollte wissen, wie er ihre Oberweite, die inzwischen von allen Hüllen befreit worden war, beurteilte. Hastig füllte er Kaffee in eine Filtertüte. „Wär’s das?“ fragte er. „Haben Sie keine Kaffeemaschine?“ „Warum?“ „Meine ist noch nicht ausgepackt.“ Sie betrachtete ihn aus großen, unschuldigen Augen. „Sie haben doch nichts dagegen, wenn ich Ihr Gerät benutze.“ Ihm lag eine Antwort auf der Zunge, die Juliette nicht besonders gefallen hätte.

Es gab in dieser Wohnung wohl bald nichts mehr, was die ungebetene Besucherin nicht benutzt hätte. Mein Gott, der PC! Was würde die Schönheit mit den Supermöpsen von ihm denken? Er eilte ins Wohnzimmer und wollte ein paar zärtliche Worte eintippen, als er die Leerzeichen auf dem Monitor entdeckte. Er drückte auf die Taste „Störung“.
Die Auskunft kam: VERBINDUNG ABGEBROCHEN. Der Fluch, der ihm über die Lippen kam, war von der Art, wie er ihn immer als „obszön und geistlos“ beanstandete. Und dann duftete die Wohnung nach Kaffee. Die blonde Besucherin war hinter ihn getreten, sie hielt eine Tasse in der Hand und trank. Als er die Störtaste mit der Faust bearbeitete, zitterten ihre langen Wimpern. Was dann aber über ihre vollen, weichen Lippen kam, war eine Frage, die ihn auf hundertachtzig gebracht hätte, wäre er nicht mit Nr. 102264583 ausgelastet gewesen. „Sind Sie mit Ihrem PC nicht hundertprozentig zufrieden?“
„Ich“, sagte Romeo, „bin mit meinem PC hundertfünfprozentig zufrieden. Das Problem ist, ich hatte eine Verbindung, die durch Ihren Besuch unterbrochen wurde.“ „Wenn Sie wüssten, wie leid mir das tut.“

Sie legte ihm die Hand auf den Arm, und Romeo, der das irgendwie ungehörig fand, machte eine Abwehrbewegung, die den Kaffee überschwappen ließ. Dem blonden Mädchen schien der warme Spritzer nichts auszumachen. Sie schloss die Augen, während der Kaffee ihr T-Shirt durchtränkte. Romeo war verunsichert, weil ihn das merkwürdige Schauspiel in einen ebenso merkwürdigen Zustand der Erregung versetzte. Es dauerte eine Weile, bis sie die Augen wieder aufschlug.
„Wenn Sie mir nur helfen würden, den Reißverschluss zu öffnen.“ Sie legte ihm die Hand auf die Schulter. Das Computerspiel, auf das er sich seit Tagen gefreut hatte, war plötzlich weit, weit weg. Monotol? Manatal? Minitel? Scheiß auf das Programm hieß, das Geschöpf, dessen warme Nacktheit wie ein duftender Tropenwind wirkte, schien ihm jetzt wichtiger als Freuden, die sich per Tastendruck heranholen ließen. Juliette hatte die schwarzen Pumps abgestreift.

Ihre Hand strich über seine behaarte Brust. „Wenn Sie mir jetzt noch den Rock aufhaken würden?“ flüsterte sie. Ein Kitzel durchflutete ihn, als sie das sagte. Aber dann fiel ihm ein, dass sie doch eigentlich nur gekommen war, weil ihr der Zucker zum gottverdammten Mitternachtskaffee fehlte. Und jetzt wollte sie, dass er ihr den Minirock auszog. „Warum?“ „Können Sie sich das nicht vorstellen?“ sagte Juliette. Er konnte sich einiges vorstellen, als das Mädchen ihr entblößtes Gesäß an seiner Männlichkeit rieb. Der Reißverschluss ihres T-Shirts war zur Hälfte geöffnet, gerade genug, um den Blick auf den zarten Busen freizugeben. Warum zögerte er noch? Hinter Juliette war der Monitor zu erkennen, mit einer orangefarbenen Schriftzeile, die ihm mitteilte, dass er seit Minuten von der Nr. 102264583 angewählt wurde.

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