Glanz in den Augen

1. Eine Nacht im September
Linn führt beide Hände durch das enge Gitter des Bettgestelles und dreht sie, bis sich die Metallstangen tief in die Handgelenke drücken. Während der Mann über ihr zärtlich ihren Bauch küßt, rückt sie auf dem Rücken tiefer hinab bis die Arme gestreckt nach hinten liegen. Sie sucht das Gefühl, mit den Handgelenken am Bett fixiert zu sein … sucht das Ziehen in den Gelenken.
Hände streicheln über ihre Beine, die sie nun breit auf die Matratze stellt. Linn hebt ihr Gesicht und sieht zwischen den Brüsten hindurch auf ihren Bauch, auf den Kopf ihres Mannes, der die zuckende Bauchdecke mit seiner Zunge kitzelt. Lustvoll hebt sie ihr Becken dem Gesicht entgegen, sieht im Halbdunkel des Schlafzimmers das schwarze Dreieck ihrer kurz geschorenen Schamhaare auftauchen.
Als der Kopf immer tiefer über ihren Venushügel wandert, spürt sie ihre Erregung immer drängender werden. Die Fingerkuppen, die über die Innenseiten der Knie die Oberschenkel hinauf wandern, lassen Ameisen auf ihrer Haut schwärmen. Linn windet sich unter den Liebkosungen, schließt die Augen … um dann doch gleich wieder auf die Spitzen ihrer stehenden Brustwarzen zu sehen. Die Hände an ihren Beinen sind weit nach oben gewandert, nah an das Gesicht, das sich von oben der Hitze ihrer Pussy nähert. Zärtliche Finger massieren leise ihre Schamlippen und öffnen sie dabei immer wieder leicht. Zwischen ihren eigenen Atemgeräuschen meint Linn das leise Klitschen der nassen Lippen zu hören.

Das weiche Fleisch umschmeichelt dabei ihre Klitoris, kitzelt sie und spielt mit ihr. Als die Zungenspitze sie endlich erreicht und an der Hautpartie nippt, stöhnt die Frau auf. Eine Hand des Mannes wandert am Körper hoch auf ihre Brust, legt sich um die weiche Rundung und massiert sie leicht, lässt ihren Atem schneller werden. Mit durchgedrücktem Kreuz fordert sie ihr laut Recht: „Fick mich … fick mich … komm schon!“
Der Mann hebt seinen Kopf zwischen ihren Schenkeln hervor und für Sekundenbruchteile stutzt er merklich, ändert dann aber seine Position; er setzt sich zwischen die aufgestemmten Schenkel und schiebt die Hände unter den unruhigen Po. Er hebt seine Frau an und setzt seinen Schwanz an ihre Pussy, sucht langsam seinen Weg zu ihrem Eingang. Er weiß nicht – kann nicht verstehen, dass seine Frau jetzt keine weiche Vereinigung, sondern einen Stoß will, der ihr den Herzschlag nehmen soll. Erst als sie unzufrieden jammert, wird es ihm klarer.
„Bitte … komm schon … mach doch! FICK MICH … Bitte!“ Er wird grob, stößt heftiger und greift fest in das weiche Fleisch ihrer Brüste. Fasst eine Brustwarze fest zwischen Daumen und Zeigefinger und drückt zu. Hat Zweifel, weil er ihr weh tut, macht aber weiter, stößt schneller. Sein Schwanz dringt immer weiter vor, bis die Eichel an ihren Muttermund kommt.
In Linns Kopf beginnen die Wogen gegen die Schädeldecke zu fließen. Sie stellt sich vor, dass ihr Körper benutzt wird, nur Mittel zum Zweck ist; zieht weiter an ihren Armen und spürt die Schmerzen an den Handgelenken. Ihr Herzschlag beschleunigt sich ebenso, wie das Keuchen ihres Mannes über ihr lauter wird. Sein Blick geht an die Zimmerdecke, das Becken klatscht gegen Linns Unterleib. Sie braucht nur noch kurz, bis der Orgasmus sie erzittern lassen wird. Der Schwanz durchpflügt sie immer schneller – und kommt – kommt zu schnell.

Als sie sein Stöhnen hört und merkt, wie es in ihr zu pumpen beginnt, sucht sie in ihrem Körper nach der letzten Chance auf den Höhepunkt. Aus irgendeiner versteckten Ecke zieht sie sich ein mageres Zucken heran, das ihren aufgewühlten Körper genauso wenig bremsen kann, wie ein Klodeckel eine Sturmflut aufhält. Tom kennt sie lang genug, fast fünfzehn Jahre. Elf Weihnachtsfeste mit den selben Ringen an den Fingern. Er ist traurig, dass es mal wieder so gelaufen ist; sieht auf den Rücken von Linn, die zusammengerollt neben ihm eingeschlafen ist. Er denkt zurück, wie sie sich damals kennengelernt hatten; wie schnell damals die Liebe kam. Manchmal hatte er nicht zu hoffen gewagt, diese Frau halten zu können.
Wie ein Paradiesvogel war sie, „der“ Männerschwarm in der Firma, und die Gerüchte über Frauenbeziehungen machten sie dazu nur noch interessanter. Irgendwann später hat sie ihm davon erzählt. Die leicht masochistische, devote Neigung war schnell zu erkennen. Von der Beziehung zur dominanten Freundin hat sie nur wenig erzählt.
Tom hatte einmal zaghaft einen Dreier vorgeschlagen, was sie aber rigoros ablehnte: „Nein! Nie eine Frau und du.“ Über Monate und Jahre kann alles gut laufen, sie haben prima Sex. Aber dann sind da auch diese Tage, an denen er merkt, dass sie unglücklich ist, und dann ist auch er unglücklich. Er ist nun mal mehr ein Mann der leisen Töne und der Zärtlichkeit. Wenn Linn wie eine Besessene nach roher Grobheit und Schmerz schreit, erschrickt er. In diesen Minuten kann er seine Frau kaum wiedererkennen. Aber er weiß, er liebt sie und wenn sie nicht das bekommt, was sie braucht, wird sie eingehen wie eine vertrocknende Blume.

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